Beschreibung

Als der Liebfrauenfriedhof im Jahr 1884 eine neugotische Einfriedung erhielt, errichtete die Stadt dort auch ein Haus für den Pförtner und den Totengräber mit einer angrenzenden Leichenhalle – die stadtweit erste Einrichtung dieser Art. Im Jahr 1916 wurde dieses Gebäude abgerissen und durch den noch heute bestehenden Neubau ersetzt. Die aktuelle Pförtnerloge des Friedhofs wurde 1917 vom Stadtarchitekten Nicolas Petit errichtet. Zum Zeichen dafür, dass der Friedhof ein öffentlicher, im Eigentum der Stadt Luxemburg stehender und konfessionell neutraler Ort ist, wurde das Gebäude mit dem Wappen der Stadt geschmückt. Das Wappen ist von Eichenzweigen umgeben, die Stärke, Dauerhaftigkeit und Beständigkeit symbolisieren. Der Altbau wurde bewusst in einem repräsentativen architektonischen Stil gestaltet und so angeordnet, dass er etwas auf die Straße vorspringt, um mit den prunkvollen Grabmälern zu harmonieren. Im Erdgeschoss befanden sich eine Leichenhalle für bis zu zwei Verstorbene, ein Obduktionsraum, ein dem katholischen Pfarrer und ein dem protestantischen Pastor vorbehaltener Raum und die öffentlichen Toiletten. Die Wohnräume des Pförtners und Totengräbers befanden sich im Obergeschoss. Die ersten Leichenhallen entstanden im 19. Jahrhundert in den Städten aufgrund eines gesteigerten Bewusstseins für Hygiene und der beengten Platzverhältnisse in den Wohnungen, wodurch verstorbene Angehörige nicht mehr zu Hause aufgebahrt werden konnten. Außerdem wurde so auch eine Möglichkeit geschaffen, auf der Straße verstorbene Personen unterzubringen. Im Rahmen der von der Stadt Luxemburg im Jahr 2025 durchgeführten Sanierungsarbeiten wurden im ehemaligen Leichenhaus barrierefreie Sanitäranlagen sowie Besprechungsräume für die Friedhofsverwaltung eingerichtet. Bei den Restaurierungsarbeiten im Erdgeschoss stand der Erhalt des authentischen Gebäudecharakters im Fokus – sowohl in den Innenräumen als auch an der Fassade.