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Überschwemmungen vom 14. und 15. Juli 2021

Frage von Linda Gaasch

Die heftigen Regenfälle der letzten Tage haben im ganzen Land ihre Spuren hinterlassen. Infolge der Überschwemmungen trat die Alzette in der Stadt Luxemburg weit über ihre Ufer. Die Bürger/innen waren von den steigenden Wassermassen stark betroffen. Mehrere Stadtviertel und Gebäude standen unter Wasser und das Busnetz war unterbrochen.

Wir möchten den Verantwortlichen und den Dienststellen der Stadt für ihr schnelles und engagiertes Vorgehen in der aktuellen Situation unseren tiefsten Dank aussprechen.

Um das gesamte Ausmaß der Geschehnisse einschätzen zu können, möchte ich Sie bitten, einen Überblick über die derzeitige Situation zu geben und dabei insbesondere auf die folgenden Fragen einzugehen:

  • Welche Auswirkungen hatten die Unwetter auf die Stadt Luxemburg?
  • Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um die betroffenen Bürgerinnen und Bürger zu unterstützen?
  • Welche Lehren können aus den Folgen der aktuellen Unwetter auf die Stadt Luxemburg für die Zukunft gezogen werden? Können wir daraus bereits Maßnahmen ableiten, die wir künftig einplanen müssen?

Antwort von Lydie Polfer

Der Schöffenrat hatte sowieso geplant, sich heute mit den Überschwemmungen in der Nacht vom 14. und 15. Juli zu befassen. Es dürfte sich hierbei um die schlimmste Überschwemmung des Jahrhunderts in Luxemburg handeln. Am Abend des 14. Juli trafen sich die Mitglieder des Schöffenrats mit den Vertreter/innen der UEFA im neuen Stade de Luxembourg. Das Treffen verlief gut. Zu diesem Zeitpunkt regnete es bereits, aber es kam noch nicht zu Überschwemmungen. Nachdem ich am Abend gegen 23:25 Uhr vom Leiter der Einsatz- und Rettungskräfte über die ersten Überschwemmungen in Kenntnis gesetzt worden war, begleitete ich die Mitglieder des Großherzoglichen Feuerwehr- und Rettungskorps (CGDIS) bis 2:00 Uhr morgens.

Überschwemmt waren nicht nur die üblichen Gebiete, wie die Stadtviertel Grund und Pfaffenthal sowie die Place Dargent, sondern auch bisher von Hochwasser verschonte Bereiche, wie Merl, wo sich der kleine Merlerbach in einen reißenden Strom verwandelt hatte, und ein Teil des Gewerbegebiets Cloche d‘Or, in dem der kleine Bach Drosbach ebenfalls zu einem breiten Fluss wurde.

Die Überschwemmungen waren nicht auf eine unzureichende Kapazität des Abwassersystems oder die Stadtplanung zurückzuführen, sondern auf die starken Regenfälle in Verbindung mit der Tatsache, dass die Böden durch die häufigen Regenfälle der vergangenen Wochen bereits gesättigt waren. Die Rückhaltebecken waren schnell überfüllt. Die zuständigen kommunalen Dienststellen waren in kürzester Zeit zur Stelle und halfen, soweit es die Situation zuließ.

Der Schöffenrat kam am Vormittag des 15. Juli zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Er beschloss, die im Zusammenhang mit der Coronakrise eingerichtete Hotline (Tel.: 4796-4796) erneut für die Einwohner/innen freizuschalten, damit die kommunalen Dienststellen schnellstmöglich auf die Probleme der Einwohner/innen reagieren konnten. Diese Hotline wurde im Laufe des Tages (am 15. Juli bis 17:00 Uhr) über 50 Mal gewählt. Ein Großteil der Anfragen betraf überflutete Keller (Pumpen, Entfernung von Gegenständen aus Kellern, Entsorgung zerstörter Gegenstände  usw.).

Der Schöffenrat begab sich am Vormittag des 15. Juli an alle betroffenen Orte, um sich einen Überblick zu verschaffen. Das Wasser war zurückgegangen und die Einwohner/innen machten sich bereits an die Aufräumarbeiten. Die Not der von den Überschwemmungen betroffenen Menschen war erschütternd. Ein Lastwagen des Service Hygiène (Dienststelle Hygiene) stand vor Ort bereit, um zerstörte Gegenstände zu zerkleinern. Die kommunalen Dienststellen unterstützen die Einwohner/innen weiterhin. Auch Gaststätten in Stadtgrund waren betroffen, ebenso wie das Unternehmen Oberweis, dessen gesamte Produktion eingestellt werden musste. Die Solidarität in der Bevölkerung war groß.

Die Wucht, mit der das Wasser plötzlich durch die Straßen von Stadtgrund strömte, war erschreckend. Die Gäste eines Restaurants mussten die Nacht sogar an Ort und Stelle verbringen, da sie das Gebäude nicht mehr verlassen konnten. Der Pont Munster war einer enormen Wasserkraft und einer Vielzahl von Gegenständen ausgesetzt, die vom Wasser mitgerissen worden waren – darunter ein großer Container und Baumstämme. Die Brücke musste für den Verkehr gesperrt werden, um sie auf eventuelle Schäden zu untersuchen.

Die Place Dargent wurde soeben wieder für den Verkehr freigegeben, sodass der öffentliche Verkehr in diesem Bereich der Stadt wieder aufgenommen werden konnte. Drei Personen, darunter eine Person im Rollstuhl, mussten evakuiert werden und sechs Personen mussten anderweitig untergebracht werden.

Auch Gebäude der Stadt Luxemburg waren von den Überschwemmungen betroffen, darunter das Gebäude „Kofferfabrik“ in Bonneweg (Service Circulation (Dienststelle Verkehr)), die „Schläifmillen“, die einen Teil des Stadtarchivs beherbergt, dessen Gebäude nicht von den Überschwemmungen betroffen waren, sowie das Zivilhospiz Pfaffenthal. Glücklicherweise wurde niemand verletzt.

Die Stadt Luxemburg hatte Glück im Unglück, vor allem verglichen mit anderen Ländern wie Deutschland oder Belgien. Alle Schulen und Schülerhorte konnten geöffnet bleiben, sogar die neue Zentralschule in Clausen, die sich in der Nähe der Alzette befindet.

Einige Kinder konnten wegen den Überschwemmungen jedoch weder zur Schule noch in den Schülerhort kommen.

Während der schweren Überschwemmungen im Jahr 2016 wurden im Norden des Landes 60,4 Liter Regenwasser pro Quadratmeter gemessen. Jetzt lag dieser Wert bei 74 Liter pro Quadratmeter. Mancherorts wurden sogar bis zu 100 Liter gemessen.

Die Einwohner/innen wurden gebeten, Fotos von den Schäden zu machen, um sie an ihre Versicherungen weiterzuleiten. Die Regierung hat die Ereignisse zu einer Naturkatastrophe erklärt und finanzielle Unterstützung zugesichert. Der Schöffenrat hat darüber hinaus beschlossen, bei Bedarf in bestimmten Fällen zusätzliche einmalige finanzielle Unterstützung zu leisten.

Ich möchte allen städtischen Dienststellen, insbesondere den Services Canalisation, Voirie, Circulation, Hygiène und Autobus (Dienststellen Kanalisation, Straßen, Verkehr, Hygiene und Busse) meinen Dank aussprechen.

Frage von Tom Krieps

War die Trinkwasserversorgung zu keinem Zeitpunkt gefährdet?

Antwort von Lydie Polfer

Hinsichtlich der Trinkwasserversorgung gab es keinerlei Probleme, aber die Stromversorgung war zeitweise unterbrochen. Der Strom war ab dem 15. Juli um 10:00 Uhr wieder verfügbar.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich den Gemeinderat darüber informieren, dass in der Einrichtung „Haus 1“ in Hamm Legionellen im Wasser festgestellt wurden. Die Bewohner/innen dieser Einrichtung wurden gebeten, kein Leitungswasser zu trinken. Sie werden zum Duschen in die „Badeanstalt“ gebracht, bis das Problem behoben ist.

Frage von Linda Gaasch

Ich möchte auf einige Punkte zurückkommen, die ich in meiner dringenden Frage angesprochen habe. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 12. Juli Maßnahmen für den Val de Hamm beschlossen. Plant der Schöffenrat Maßnahmen zu ergreifen, um weiteren Überschwemmungen in Zukunft vorzubeugen?

Antwort von Lydie Polfer

Es handelte sich um ein außergewöhnliches Wetterphänomen. Das Wasserwirtschaftsamt sprach von einem Jahrhunderthochwasser. Vor rund 100 Jahren lag der Wasserstand auf einem wesentlich höheren Niveau.

Das Problem wurde nicht durch das Kanalisationssystem verursacht. In Gebieten mit wasserundurchlässigem Lehmboden können keine Messungen durchgeführt werden. Die Stadt wird ihre Bemühungen um den Bau von Rückhaltebecken verstärken. Es gab keine Probleme in der Kläranlage Beggen.

Die Lage in der Hauptstadt war weit weniger schlimm als beispielsweise in Echternach, wo Hunderte Menschen evakuiert werden mussten, oder im Ausland, wo zahlreiche Menschen den Wassermassen zum Opfer fielen.

Antwort von Simone Beissel

Im Rahmen der Sitzung vom 12. Juli 2021 hat der Gemeinderat einen Kostenvoranschlag für die Umsetzung eines Sanierungsprojekts zur Verringerung der Überschwemmungsgefahr bei Starkregen für drei abgelegene Häuser im Val de Hamm genehmigt. Ich habe die Bewohner/innen dieser Häuser kontaktiert. Sie hatten Vorsichtsmaßnahmen getroffen, aber glücklicherweise blieb dieser Bereich der Stadt dieses Mal von den Überschwemmungen verschont.

Antwort von Lydie Polfer

Über eine mögliche finanzielle Unterstützung seitens der Stadt wird der Gemeinderat bei seiner nächsten Sitzung in angemessener Form beraten.

Erneuerung des Bodenbelags auf dem Pausenhof der Schule in der Rue Gellé

Frage von Christa Brömmel

Der Bodenbelag des Pausenhofs der Schule in der Rue Gellé wurde im Jahr 2020 erneuert und ist bereits an mehreren Stellen beschädigt. Die Löcher stellen eine Gefahr für die Kinder dar. Wann werden die Reparaturarbeiten ausgeführt? Wird die Erneuerung während der Sommerferien vorgenommen? Wird die Stadt dafür Sorge tragen, dass eine Schließung des Pausenhofs soweit wie möglich vermieden wird, damit die Kinder dort spielen können? Wird die Stadt untersuchen, warum der neue Bodenbelag bereits beschädigt ist? Sind Schäden dieser Art auch auf anderen Pausenhöfen oder Spielplätzen aufgetreten? Ich möchte daran erinnern, dass die Eltern bedauert haben, dass ihre Vorschläge bei der Neugestaltung des Pausenhofs der Schule in der Rue Gellé nicht berücksichtigt wurden. Wird die Stadt die Vorschläge der Eltern im Rahmen der Reparaturarbeiten berücksichtigen?

Antwort von Colette Mart

Der besagte Bodenbelag wurde nicht im Jahr 2020, sondern im Jahr 2009 erneuert. Die Reparaturen werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. Der Pausenhof wird wieder geöffnet, sobald die Arbeiten abgeschlossen sind. Die Renovierung des Pausenhofs war ein Gemeinschaftsprojekt des Service Bâtiments (Dienststelle Gebäude) und des Service Parcs (Dienststelle Parkanlagen).

Antwort von Christa Brömmel

Ständige Flickarbeiten sind keine optimale Lösung.

Antwort von Colette Mart

Ich leite die Frage erneut an die zuständige kommunale Dienststelle weiter. In diesem Zusammenhang werden die Forderungen der Eltern erneut geprüft.

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