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Beschreibung

Der Philosoph Bernhard Groethuysen wurde am 9. Januar 1880 in Berlin geboren. Er zählt zu den auf internationaler Ebene berühmtesten Persönlichkeiten, die auf dem ehemaligen protestantischen Gräberfeld des Liebfrauenfriedhofs bestattet sind. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten befasste er sich mit Geschichte und Soziologie sowie mit Fragen zum Thema Welt- und Lebensanschauung. 

Groethuysen entstammt einer Familie russischer Migranten, die sich in Berlin niedergelassen hatte. Die Grundschule und den Sekundarunterricht absolvierte er in Baden-Baden. Später studierte er Philosophie und Kunstgeschichte an den Universitäten in Wien, München und Berlin. Ab 1906 unterrichtete er Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Bei seinen Studienreisen nach Paris, wo er sich mit dem Philosophen Gottfried Wilhelm Leibnitz beschäftigte, lernte er André Gide, den Literaturkritiker Jean Paulhan und den Schriftsteller André Malraux kennen. Im ersten Weltkrieg geriet er in deutsche Gefangenschaft, aus der er erst Anfang 1919 wieder befreit wurde. 1926 rief er gemeinsam mit Jean Paulhan im Verlagshaus Gallimard die Reihe „Bibliothèque des idées“ ins Leben, in der Werke der größten Denker veröffentlicht wurden. Im Jahr 1932 kehrte er Deutschland aus Protest gegen die Verfolgung seiner jüdischen Kolleginnen und Kollegen durch die Nazis endgültig den Rücken. Er ließ sich in Paris nieder, arbeitete bei Gallimard und erwarb 1937 die französische Staatsbürgerschaft.

In Paris übersetzte er Goethes Romane und Gedichte von Hölderlin und schrieb das Vorwort zur französischen Ausgabe mit einer Auswahl von Gedichten Hölderlins aus der Zeit, in der er dem Wahnsinn verfallen war („Poèmes de la Folie de Hölderlin“), ebenso wie ein Vorwort zur französischen Übersetzung von Franz Kafkas Roman „Der Prozess“. Am 17. September 1946 sarb Groethuysen in Luxemburg an den Folgen von Lungenkrebs. Im Rahmen seiner Übersetzertätigkeit (er übersetzte die Predigten des mittelalterlichen Mystikers Meister Eckhart, „L’enfant qui s’accuse“ von Jean Schlumberger und Albert Camus' „Der Mythos des Sisyphos. Theoretische Betrachtungen über das Absurde“) stand Bernhard Groethuysen in Kontakt mit Aline Mayrisch de Saint-Hubert, Ehefrau von Emile Mayrisch, der als Geschäftsführer der Vereinigten Stahlhütten Burbach-Eich-Düdelingen (ARBED) tätig war.

Unter Groethuysens Veröffentlichungen sind Folgende besonders hervorzuheben: „Introduction à la pensée philosophique allemande depuis Nietzsche“, Paris 1926 (eine Einführung in die deutsche Philosophie seit Nietzsche, basierend auf einer Vortragsreihe); „Die Entstehung der bürgerlichen Welt- und Lebensanschauung in Frankreich“, Halle 1927 (zeitgleich auf Französisch in gekürzter Fassung erschienen unter dem Titel „Origines de l'esprit bourgeois en France“); „Mythes et portraits“, Paris 1947 (in deutscher Übersetzung später unter dem Titel „Unter den Brücken der Metaphysik. Mythen und Porträts“ erschienen); „J.-J. Rousseau“, Paris 1949.

Ab 1912 lebte Bernhard Groethuysen mit Alix Guillain zusammen in Paris. Die beiden sind gemeinsam in Luxemburg bestattet. Alix Guillain wurde am 8. Oktober 1876 in Brüssel geboren. Guillain, die einer wohlhabenden Bürgerfamilie entstammte, war in ihrer Kindheit stark von Darwins Ideen geprägt worden. Alix Guillain war Übersetzerin und übertrug die Werke des Philosophen Georg Simmel in die französische Sprache. Gemeinsam mit Bernhard Groethuysen war sie an der Herausgabe der Gesamtausgabe der Werke des Philosophen Wilhelm Dilthey beteiligt. Während des Ersten Weltkriegs schloss sie sich der politischen Strömung des Internationalismus an. 1921 gab sie die erste französische Übersetzung der „Briefe aus dem Gefängnis“ von Rosa Luxemburg heraus. 1923 und 1924 arbeitete Guillain häufig für die kommunistische Zeitung „L’Ouvrière“. Ab 1924 war sie als Redakteurin für die Zeitung „L’Internationale“ tätig. Bernhard Groethuysen und Alix Guillain waren regelmäßig bei Emile Mayrisch und Aline Mayrisch de Saint-Hubert zu Gast. In Schloss Colpach fertigte Alix Guillain die Übersetzung des Werks von Bernhard Groethuysen „Philosophische Anthropologie“ (1928) an.

Alix Guillain blieb ihr Leben lang Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF) und zählte zu den Bewunderern der UdSSR. Am 8. Oktober 1951 verstarb sie nach einer kurzen Krankheit im Hôpital de la Pitié in Paris, woraufhin sie eingeäschert und in der Urnenhalle des Friedhofs Père-Lachaise bestattet wurde. Im Juni 1981 wurde ihre Asche zum Liebfrauenfriedhof überbracht und beim Grab von Bernhard Groethuysen beigesetzt.

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