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Beschreibung

Der Nationaldichter Michel Lentz (1833–1893) war seiner Geburtsstadt eng verbunden. Er gilt als Repräsentant des konventionellen mittelständischen Bürgertums. Er stammte aus einer Bäcker- und Gastwirtsdynastie, wurde in der Rue Chimay geboren und besuchte das nahegelegene Athénée de Luxembourg. Nach dem Abitur schrieb er sich an der Université libre de Bruxelles für das Fach Philologie ein. 1842 trat er in den öffentlichen Dienst ein. Er machte Karriere im Regierungssekretariat und, ab 1869, am Rechnungshof. Nach einem sehr beständigen Berufsleben machte er 1892 von seinem Pensionsrecht Gebrauch. Er litt an einer zunehmenden Sehbehinderung und verstarb im „neien Lentzenhaus“ in der Rue Notre-Dame. Eine Gedenktafel (Rue Notre-Dame 6) erinnert an das Geburts- und Sterbehaus des Nationaldichters. Bei seiner Beerdigung war der Staatsminister Paul Eyschen anwesend, auch er ein Schriftsteller luxemburgischer Sprache. Auf Anregung des Friedensrichters François Elter setzte sich Eyschen dafür ein, dass den beiden Nationaldichtern Lentz und Edmond de la Fontaine (Dicks) (1821–1891) ein gemeinsames öffentliches Denkmal unweit der Place d'Armes errichtet wurde.

Berühmt wurde Lentz durch seine überwiegend in luxemburgischer Sprache verfassten Gedichte und Lieder. Viele seiner Werke haben satirischen und kritischen Charakter, verteidigen die Gedankenfreiheit und verurteilen die Zensur – all dies zweifellos in Reaktion auf eine sehr konservative väterliche Erziehung. „Den Typografestand“ stellt die Erfindung des Buchdrucks als Mittel zur Befreiung des Menschen von Obskurantismus jedweder Form dar. Seine patriotische Verbundenheit mit der Monarchie, seine Aufmerksamkeit für die Natur, die sich im Gedicht „d‘Margréitchen“ zeigt, seine Liebe zu den Handwerksberufen, die er besang – „Wéi méng Mamm nach huet gesponnen“ ist das populärste Werk – und seine Wiegenlieder begründeten seinen Ruf als Nationaldichter. Er verlieh auch der Nostalgie der in die Vereinigten Staaten ausgewanderten Luxemburger eine Stimme, zweifellos Folge von deren Treffen anlässlich der Gründung des American Club im Hotel „Maison Rouge“ direkt gegenüber seinem Haus.1864 schrieb der Komponist Jean-Antoine Zinnen die Musik zu seinem Gedicht „Ons Hémecht“, das seit 1993 die offizielle Nationalhymne ist. Lange Zeit konkurrierte sein für die Einweihung der Eisenbahn 1859 geschriebenes und von Lentz selbst vertontes Gedicht „De Feierwon“ mit „Ons Hémecht“. Die letzte Zeile dieses Gedichts – „Mir wëlle bleiwe wat mir sin“ – wurde zum Leitmotiv des luxemburgischen Volkes, wenn auch von verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen und aufgrund der unterschiedlichen Kriegserfahrungen in Luxemburg sehr unterschiedlich interpretiert. 1873 veröffentlichte er die Gedichtsammlung „Spâss an Iérscht“, 1887 „Hierschtblummen“. Der „Courrier du Grand-Duché de Luxembourg“ und das vom Fotografen Charles Bernhoeft herausgegebene „Luxemburger Land in Wort und Bild“ veröffentlichten regelmäßig Texte von ihm. Weitere Gedichte wurden posthum in der Sammlung „Wantergréng“ veröffentlicht.

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