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Beschreibung

Das Ensemble an Grabdenkmälern, die durch einen schmiedeeisernen Zaun eingefasst sind, ist auf dem Liebfrauenfriedhof einzigartig. Hier liegen Generationen wichtiger Händlerfamilien bestattet, die den Handel in der Stadt Luxemburg maßgeblich geprägt haben: die Familien Bruck, Schmit, Clesse und Cordonnier-Polomé. Die Grabdenkmäler dieser Familien sind aus rotem Sandstein gearbeitet und zählen zu den ältesten des Friedhofs.

Einen schönen Kontrast bildet das Kreuz aus hellem Kalkstein, das eines der Denkmäler in Form eines Säulenstumpfes bekrönt. Es triumphiert regelrecht über die abgebrochene Säule – ein Symbol für ein zu früh zu Ende gegangenes Leben. Ein weiteres Kreuz aus Gusseisen – eine charakteristische Arbeit der Champagne – auf klassischem rechteckigen Sockel zeigt die Symbole des Martyriums Christi. Ein weiteres Säulenfragment erscheint verschleiert und steht somit für das vom Tod überschattete Leben. Roter Sandstein ist einfacher zu verarbeiten, aber weniger widerstandsfähig als Sandstein aus Ernzen oder Dillingen. Granit wird in Luxemburg erst ab 1890 als Material für Grabkunst verwendet. Mit den Grabinschriften, die sehr ausführlich und persönlich sind, wird den Verstorbenen als guten Ehemännern, guten Eltern oder als „Schwesterherz“ gedacht. (Die Erfordernis, für Grabinschriften eine Genehmigung beim Bürgermeister- und Schöffenkollegium einzuholen, bestand erst ab 1879.)

Kinder sprechen ihren Eltern ihren Dank aus: So im Falle von Marie Marguerite Schmit (1763–1827) und ihrem ersten Ehemann Pierre Bruck (gestorben 1799), sowie ihrem zweiten Ehemann Jean-François Schmit (1776–1855). Pierre Bruck hatte 1784 die ehemalige Druckerei und Buchhandlung Chevalier (bzw. Perl) übernommen, die 1686 gegründet worden war. Er wurde dort von seinem älteren Bruder, Jean-Baptiste Bruck, ausgebildet. Nach dessen Tod ging die Druckerei über in den Besitz von Jean-François Schmit, Sohn des Notars Jean-Pierre Schmit und von Suzanne Marguerite Vallet. Nach der Heirat Schmits mit Marie Marguerite, der Witwe von Pierre Bruck, im Jahr 1802 übernahm dieser den Namen Schmit-Bruck. Jean-François Schmit hatte seine Ausbildung am Collège Royal (das Athénée de Luxembourg) in Luxemburg absolviert. Während der Belagerung der Festung Luxemburg 1794/95 war er als Unteroffizier im Jägercorps Luxemburgs tätig.Nach der Kapitulation der Festung wurde Schmit Kanonier im 6. französischen Fußartillerie-Regiment. Durch seine Heriat mit der Witwe von Pierre Bruck übernahm er das Familienunternehmen, die Druckerei Bruck. Diese stieg auf zur offiziellen Druckerei für Erlasse, Verfügungen und Bekanntmachungen. Darüber hinaus hatte Jean-François Bruck 1811 die 1689 gegründete Papiermühle in Mühlenbach erworben. Schmit-Bruck übernahm auch Aufgaben im Dienste des Gemeinwohls: In seiner Rolle als Erster Schöffe empfing er am 25. Juni 1841 Wilhelm II., König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg. 1815 und 1828 bekleidete er den Rang des Leiters der Stadtwache. Im Oktober 1817 und im März 1824 war er Mitglied des Regentenrats. Zudem war Jean-François Schmit-Bruck Sekretär des Wohltätigkeitsbüros, Mitglied der Forschungskommission des Schöffenrats und Vorsitzender des Kirchenvorstands der Notre-Dame de Luxembourg. Dieses Engagement brachte seiner Druckerei den Titel „Druckerei des Apostolischen Vikariats“ ein. 1841 wurde Jean-François Schmit-Bruck zum Mitglied der Luxemburger Ständeversammlung (Assemblée des États du Luxembourg) ernannt. Im Jahr 1843 wurde er mit dem Orden des Niederländischen Löwen ausgezeichnet. Er verstarb am 19. Dezember 1855.

1856 wurde die Papierfabrik Schmit-Bruck von Jacques-Dieudonné Clesse übernommen, der auch gleichzeitig seine 1844 gegründete und patentierte Manufaktur für „nahtlose Strickwaren“ weiterführte. Anne Françoise Clesse (1827–1847) und ihre Schwester Adélaïde Marie Clesse (1833–1888) wurden ebenfalls im Familiengrab beigesetzt. Seine Strickwarenfabrik und Spinnerei in Mühlenbach hatte Jacques-Dieudonné 1870 verkauft, seinen Laden in der Rue du Curé führte er aber weiterhin. Er war Verwalter des Kirchenvorstands der Kathedrale unserer lieben Frau, Mitglied der Vinzenzgemeinschaft und Mitglied des Wohltätigkeitsbüros der Stadt Luxemburg. 1872 wurde er zum Ritter des Ordens der Eichenkrone geschlagen. Von 1874 bis 1878 organisierte er mehrere Sammlungen zur Finanzierung der ersten heiligen Kommunion für die armen Kinder der Stadt. Jacques-Dieudonné Clesse verstarb 1881.

Durch eine Heirat war sein Unternehmen François Cordonnier (1843–1917) zugefallen, der in der Rue du Curé ein Weingeschäft eröffnete, nachdem Clesse seine Tätigkeit eingestellt hatte. 1880 eröffnete er eine Schuhfabrik und sein Unternehmen Au petit Paris entwickelte sich zum offiziellen Lieferanten von Wilhelm III., König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg.

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