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Beschreibung

Das Mausoleum, das Marie-Hélène Léonie Pretemer (1863–1943) im Jahr 1931 zum Gedenken an ihren Ehemann Dr. Jacques Wester (1861–1906) und ihre Tochter Marie Susanne Irma Daisy (1898–1920) errichten ließ, ist ein Meisterwerk des Art Déco in Luxemburg. Die mit Blumenmotiven verzierten Buntglasfenster wurden von dem in Luxemburg und Paris ausgebildeten Glasmaler Sylvère Linster (1894–1974) gestaltet, dessen Werkstatt in Mondorf-Altwies hohes Ansehen genoss. In Erinnerung an den Namen der verstorbenen Familie – Wester-Pretemer – ziert die Bronzetür des Mausoleums ein Medaillon mit den Buchstaben „W“ und „P“.

Das Mausoleum weist zwar keine religiösen Bezüge auf, es wird aber eine äußerst symbolträchtige Formensprache verwendet. Im hinteren Teil des Mausoleums befindet sich eine imposante Büste von Dr. Jacques Wester. Die Büste wurde so ausgerichtet, dass die Sonne direkt über dem Kopf von Dr. Jacques Wester aufgeht – ein Hinweis auf seine aufgeklärte Einstellung. Als Zeichen für ständige Erneuerung steht der aufgefächerte Pfauenschwanz. Das Tuch, das die Hinterseite der Büste bedeckt, symbolisiert den Himmel. Für Ausdauer und Sieg wiederum stehen die Eichen- und Lorbeerzweige, in deren Mitte sich die Büste erhebt. Als Verweis darauf, dass hier die Asche des Verstorbenen bestattet wurden, ist das Tympanon des Mausoleums von einer verschleierten Urne bekrönt. Stilisierte Rosen finden sich nicht nur als Ornament im Buntglasfenster sondern dienen auch als Umrahmung für die in Stein gehauene Inschriftentafel mit dem Schriftzug „Famille Wester“ auf dem Tympanon.

Diese Dekorelemente stehen für Reinheit, Liebe und Treue. Die Inschrift „concession à perpétuité“ (lebenslange Grabkonzession) an der Rückseite des Mausoleums zeugt von dem ausdrücklichen Willen, ein Denkmal für die Ewigkeit zu errichten. Die Großzügigkeit von Dr. Jacques Wester wird durch die als Flachrelief ausgeführten Kleeblatt-Bänder unterstrichen. Die Familie hat das Mausoleum 1983 an die Stadt Luxemburg abgetreten.

Anzumerken ist, dass mit dem Schriftzug „Famille Wester“ eine ältere Inschrift überschrieben wurde: der Familienname Wurth. Die Konzession für dieses Grab hatte nämlich zuerst der in Luxemburg verstorbene Jean-Mathias Xavier Wurth (1854–1905) inne. Jean-Mathias Wurth hatte von seinem Vater das Hôtel de Cologne (Kölnischer Hof) in der Avenue de la Porte Neuve geerbt. Er war mit Marie Catherine Mathilde Pretemer (1866–1932) verheiratet. Aus dieser Ehe ging ein Kind hervor, Marie Joseph Bernard Félix, das 1887 im Alter von nur vier Wochen verstarb. Die Schwester von Cathérine Wurth-Pretemer, Marie-Hélène Léonie Wester-Pretemer, war die Ehefrau von Dr. Jacques Wester (1861–1906). Sie war es, die das Grabmal der Familie Wurth in ein Mausoleum für die Familie Wester umwandeln ließ. Marie-Hélène Léonie Pretemer ließ sogar die sterblichen Überreste ihrer Familie – ihres Ehemanns und ihrer Tochter Marie Susanne Irma Daisy Wester (1898-1920) – von Sassenheim nach Luxemburg überführen, obwohl sie selbst in Differdingen wohnhaft war und ihre Schwester in Sassenheim.

Ursprüngich wollte Marie-Hélène 1923 ein Mausoleum auf einem in ihrem Eigentum stehenden Grundstück in Sassenheim errichten lassen, was jedoch vom Schöffenrat dieser Gemeinde untersagt wurde. Deshalb schlug sie vor, ein in ihrem Eigentum stehendes Grundstück für die Einrichtung eines neuen Gemeindefriedhofs zur Verfügung zu stellen, auf dem auch das Mausoleum ihrer Familie Platz finden sollte. Die neuerliche Ablehnung ihres Ansinnens durch die Gemeindevertreter bietet eine mögliche Erklärung dafür, warum sie die sterblichen Überreste ihrer Familie auf den Liebfrauenfriedhof in Luxemburg überführen ließ.

Marie-Hélène Pretemer wurde in eine Familie von Grundbesitzern und Landwirten aus Sassenheim hineingeboren und stammt von Jacques Pretemer (1747–1822), Jean „Kirsch“ Pretemer (1849 zum Bürgermeister von Sassenheim gewählt) und Jean-Pierre Pretemer (1827–1904, 1870 zum Bürgermsiter von Sanem gewählt) ab, die ebenfalls im Mausoleum beigesetzt sind. Im Jahr 1893 heiratete sie Dr. Jacques Wester. Marie-Hélène Pretemer war die letzte Person, die 1943 in dem von ihr in Auftrag gegebenen Mausoleum bestattet wurde. Mit der Errichtung des Mausoleums wollte sie zwei Menschen ehren: ihren Ehemann, und ihre Tochter Marie Susanne Irma Daisy, die im Alter von nur 22 Jahren verstorben war.

Jacques Wester wurde 1861 in Fenningen, einer Ortschaft in der Gemeinde Bettemburg, geboren. 1888 absolvierte er die Abschlussprüfung in Naturwissenschaften. Nach seinem Medizinstudium an den Universitäten von Straßburg, Zürich, Berlin, Paris und Wien erlangte er 1891 den Doktortitel. 1892 ließ er sich als Augenarzt in Differdingen nieder, kurz darauf wurde er zum Impfbeauftragten der Gemeinden Differdingen, Petingen, Sassenheim, Düdelingen, Rümelingen und Kayl ernannt. Außerdem wurde Jacques Wester mit der Errichtung eines Krankenhauses in Differdingen betraut, das dazu bestimmt war, verletzte Fabrikarbeiter/innen und Kranke aufzunehmen und als Pflegeheim für die Bedürftigen der Gemeinde zu dienen.

Dr. Wester setzte sich sein Leben lang für die Behandlung Verletzter und Kranker aus dem Luxemburger Industriegebiet ein, insbesondere für die Arbeiter/innen und Angestellten der Société Anonyme des Hauts-Fourneaux, Forges et Charbonnages Differdange-Dannenbaum, an der er seit 1899 als Aktionär beteiligt war. 

Zum Andenken an ihre Tochter bemühte sich Marie-Hélène Léonie Wester-Pretemer auch um die Einrichtung eines Stipendiums für junge Mädchen aus dem Kanton Esch an der Alzette, die das 1911 gegründete Lycée de Jeunes Filles besuchten. Die Genehmigung für die Gründung der entsprechenden Stiftung wurde 1924 per großherzoglichen Erlass erteilt.

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